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Altkatholische Kirchengemeinde
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Pfr. Mag. Werner Leidenfrost
und Bauing. Johannes Lintner

Am 18. Juli 1870 wurden auf dem 1. Vatikanischen Konzil die Dogmen von der päpstlichen Allgewalt

und  der Unfehlbarkeit  in allen  Angelegenheiten des Glaubens und der sittlichen Lebensgestaltung angenommen. Heftige Kämpfe waren diesen Dogmen vorausgegangen, viele Bischöfe hatten bereits vor der Abstimmung, Rom zum Zeichen des Protestes unter schweren Gewissenskonflikten verlassen.

Man empfand die Dogmen als einen Schlag gegen den modernen Liberalismus, viele konnten und wollten die neue Lehre nicht glauben. Einer der wenigen, die ihrer Überzeugung treu blieben, war der angesehene Münchner Kirchenhistoriker und Stiftspropst Ignaz von Döllinger. “Als Christ, als Theologe, als Geschichtskundiger, als Bürger kann ich diese Lehre nicht annehmen” schrieb er am 28.3.1871 an den Erzbischof von München-Freising, Gregor von Scherr. Die Reaktion auf dieses Schreiben war gewaltig. Zahllose Zuschriften, sogenannte “Döllinger-Adressen” unter anderem auch vom Gemeinderat der Stadt Wien, begrüßten diese mutigen Worte.

Kirchenhistoriker, Theologe und
Stiftpropst Ignaz von Döllinger

Entstehung und Geschichte der Kirchengemeinde
Ried / im Innkreis von 1871 bis heute

   Als das 1. Vatikanische Konzil (1870) die Lehre von der Unfehlbarkeit und obersten Rechtsgewalt des Papstes "aus sich selbst, ohne Zustimmung der Kirche" festlegte, befanden sich nicht wenige katholische Christen in Gewissensnot. Aus ihrer Kenntnis der Kirchengeschichte und der Lehrüberlieferung vermochten sie diese neuen Dogmen nicht anzunehmen. Vor allem vertraten sie den Standpunkt, dass nur ein wirklich allgemeines Konzil, auf dem alle in der Apostelnachfolge stehenden Bischöfe der Welt mitentscheiden können (also auch die Orthodoxen), verbindlich die Lehre der Kirche umschreiben kann. Seit der Trennung von Ost und Westkirche (1054) gab es nur westliche oder östliche Teilkonzilien.
   Die Vertreter dieser Auffassung wurden durch den Papst von den Sakramenten ausgeschlossen. Sie wollten aber katholische Christen bleiben und an Lehre und Lebensverwirklichung der alten katholischen Kirche festhalten. Um für sich und ihre Kinder die sakramentale Gemeinschaft erhalten zu können, die sie als Mitte des christlichen Lebens ansahen, mussten sie sich zu eigenen Pfarreien und Bistümer zusammenschließen. Desgleichen auch hier im Innviertel bzw. in Ried, wo eine der ersten altkatholischen Gemeinden entstand. Der damalige Diözesanbischof Rudigier hatte die Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit zunächst selbst nicht für opportun gehalten. Er änderte jedoch im Verlauf des Ersten Vatikanums seine Meinung und schloss sich den Infallibilisten an. Dass sich wegen der Verkündigung des Dogmas eine Gruppe von Gläubigen, die sich "Altkatholiken" nannten, von der Kirche abspaltete, mißstimmte den Bischof sehr. Insbesondere aber. dass es ein Priester seiner Diözese war, nämlich Alois Anton Messeleser in Sarmingstein, der der Bewegung in Österreich zum Durchbruch verhalf. Auch kam es in Linz früh zu einer Gemeindebildung der Altkatholiken.
   Schon am 6. November 1869 wandte sich Anton brieflich an Rudigier und distanzierte sich mit scharfen Worten vom "Cäsaropapismus" des bevorstehenden Konzils. Gleichzeitig gab er seine priesterlichen Funktionen auf und setzte sich nach Wien/Penzing ab. Der Bischof beschwor ihn in einem Brief vom 8. November 1869 zur Umkehr. Er schrieb u.a.: "Ich bitte Sie bei Ihrer Liebe zu Jesus Christus, der bei seiner Kirche zu bleiben versprochen hat und daher immer bei der Kirche, aber auch nur bei ihr gefunden wird: tun Sie diesen verhängnisvollen Schritt nicht. Sofern Sie ihn bereits taten, treten Sie sogleich zurück. Die Bemühungen waren vergeblich. Am 13. April 1871, also nach der Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit, richtete Anton ein "offenes Schreiben" an die Österreichischen Bischöfe, in welchem er "von der Rebellion des Papsttums gegen die kirchliche Gemeinsamkeit" sprach. Wenig spter rief er die Gläubigen dazu auf, die römisch-katholische Kirche zu verlassen, Es gelang ihm in Wien eine altkatholische Gemeinde zu formieren. Am 5. August 1871 forderte er vom Kultusministerium sogar die Überlassung des "altkatholischen Domes" zu St. Stephan in Wien. Tatsächlich wurde ihm schließlich die Salvatorkapelle im alten Rathaus, wo er am 15. Oktober 1871 den ersten Gemeindegottesdienst hielt, zugewiesen.
   Schon kurz nach der Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit äußerte sich das Rieder Wochenblatt vom 26, Juli 1870 wie folgt: "Das ungeheuerlichste Attentat gegen den gesunden Menschenverstand wurde in Rom durch die feierliche Abstimmung über die Unfehlbarkeit des Papstes ausgeübt". Die Linzer Tagespost vom 22. Juli 1870 hatte erklärt, dass Pius IX. und sein Anhang mit dem neuen Dogma der alten Kirche die Mitgliedschaft aufgekündigt hätten: Feierlichst hat er und sein jesuitischer Anhang derselben entsagt. Sie haben eine neue Religion, die römisch-jesuitische angenommen. Am 29. Oktober 1871 berief der liberale Verein in Ried i. Innkr. eine Versammlung ein, bei der Pius IX. zum Häretiker erklärt und die Ausweisung der Jesuiten aus Österreich verlangt wurde.
   Am 29. Oktober 1870 berief der liberale Verein in Ried eine Versammlung ein, bei der eine nahezu zweistündige Rede über das Unfehlbarkeitsdogma gehalten und schließlich nachstehende, einstimmig angenommene Resolution beantragt wurde:
   "Der Verein spricht seine Überzeugung dahin aus, die vom letzten ökumenischen Konzil zum Dogma erhobene Lehre von der Unfehlbarkeit der Päpste widerspreche dem bisherigen Glauben und störe den Frieden und die Ruhe der Gewissen. Eben darum, ferner weil diese Unfehlbarkeitstheorie vernunftwidrig, weil deren Wahrheit von der Geschichte vollständig widerlegt ist und weil der Konsens der Väter und deren Freiheit beim Konzil gefehlt hat, sei jenes Dogma nicht anzuerkennen und dessen Aufstellung als eine Fälschung der christkatholischen Glaubenslehre anzusehen. Die Mitglieder des Vereins erklären insgesamt dem Papste Pius IX. offen, dass sie ihm wegen dieser Häresie widerstehen, der Verein erkennt es für eine wichtige Aufgabe des Staates und als eine dringende Forderung der Zivilisation, die Jesuiten auszuweisen und der Verwirklichung der so gefährlichen Konsequenzen jenes Dogmas und den damit im Zusammenhang stehenden Umtrieben der Geistlichkeit durch Einführung geeigneter Gesetze (und deren strenge Handhabung) einen Damm zu setzen. Der Verein betrachtet endlich den Sturz der weltlichen Macht des Papstes und des Napoleonismus als für die Zivilisation günstige, erfreuliche Ereignisse und begrüßt auch darum den Sieg der Deutschen als einen großen Fortschritt der Freiheit.
   Aus dieser Resolution geht klar die ablehnende Haltung gegen das vom Papst vorproklamierte Dogma hervor.
Man stellte sich eindeutig auf die Seite des Münchner Kirchenhistorikers Döllinger, was die Ablehnung des Konzils betraf. Der Stiftspropst von St. Cajetan, Dr. Ignaz von Döllinger, (1799 - 1890), gab den Impuls, aus dem sich die altkatholische Bewegung entwickeln sollte. Er sprach sich offen gegen das Dogma aus. Wiederholt forderte ihn der Erzbischof von München Freising auf, sich dem Dogma zu unterwerfen. Doch Döllinger sandte an den Erzbischof ein Protestschreiben, in dem er eine Unterwerfung als Christ, Theologe, als geschichtskundiger und als Bürger ablehnte. Er bat, bei der Bischofskonferenz in Fulda Gehör zu erhalten, um seine Stellungnahme in diesem Kreis wissenschaftlich begründen zu können. Für den Fall, dass man ihn durch Zeugnisse und Tatsachen überführen könne, verpflichtete er sich zum öffentlichen Widerruf seiner Stellungnahme. Döllingers Bitte wurde aber mit dem Hinweis abgelehnt, dass das Konzil bereits entschieden habe. Auf seinen Einwand, dass das Dogma von der Unfehlbarkeit mit der Geschichte in Widerspruch stünde, könne nicht Rücksicht genommen werden.
   Bei einer Versammlung der Altkatholiken in Ried am 18. April 1871 wurde daher die Absendung einer Anerkennungs -und Zustimmungserklärung an den exkommunizierten Münchner Kirchenhistoriker Ignaz v. Döllinger der das neue Dogma öffentlich geleugnet hatte, beschlossen. Der Gemeindeausschuss der Stadt stellte sich in seiner Sitzung vom 22. April 1871 ebenfalls hinter Döllinger und wandte sich in einem langen Schreiben an die Regierung. Darin wurde verlangt, "gegen das offenbar staatsgefährliche Dogma der Päpstlichen Unfehlbarkeit alle staatsrechtlich zulässigen, und gebotenen Mittel in Anwendung zu bringen" und u.a. zu verbieten, dass "die staatsgefährliche Lehre... irgendwo, sei es in Kirchen, Schulen und in den sonstigen Unterrichts und Erziehungs- anstalten" gelehrt werde. Die Forderung nach Abschaffung des Jesuitenordens wurde wiederholt.
   Der Sturm brach vollends los, als sich der Rieder Stadtpfarrer Kanonikus Sebastian Freund weigerte, dem damals schwer erkrankten Kaufmann Engelbert Wetzelsberger, einem Unterzeichner der Döllinger-Adresse, die Sterbesakramente zu spenden, falls er seine Unterschrift nicht zurückziehe. Nachdem sich der wieder genesene Kaufmann an die Öffentlichkeit gewandt hatte und eine Anfrage des Gemeinderates an das bischöfliche Ordinariat ergeben hatte, dass dieses am römischen Standpunkt festhalte, rief der Gemeinderat für den 8. November d.J. zu einer Versammlung im Rathaus ein. Bei dieser wurde ein "altkatholisches Aktions-Komitee" gegründet, das u.a. beschlossen, sich dafür einzusetzen, "dass uns die hiesige Pfarrkirche und das Kirchenvermögen eingeräumt werde; Denn wir sind die wahren Katholiken, und wir erklären die hiesige Pfarrgeistlichkeit und alle ihre Anhänger als Ketzer". In ähnlich scharfem Ton war ein Schreiben an das bischöfliche Ordinariat gehalten, in einem an die Öffentlichkeit gerichteten Flugblatt hieß es:
   "Wir protestieren... gegen das Vorgehen der hiesigen Priesterschaft. Nennen selbes mit Recht eine Anmaßung und unberechtigte Gewaltanwendung und erklären, dass wir uns, aus der katholischen Kirchengemeinschaft nicht hinausdrängen lassen, und dass wir uns nun gegen die Vexation verwahren und dadurch schützen, dass wir uns vereinen, einen glaubenstreuen Priester in Ried einsetzen wollen und alle Ansprüche auf das Kirchenvermögen aufrecht erhalten. Schreiten wir auch schnell zu diesem Werke.
   Ein Aktions-Komitee (Ausschuss, der die Vollmacht und den Auftrag erhielt, alles zur Herstellung der Seelsorge in Ried und für alle Anhänger des alten Glaubens erforderlichen Schritte einzuleiten bestand aus folgenden Mitgliedern...

     Martin Kirchhammer, Kreisgerichtsadjunkt
     Ludwig Langlachner, Hausbesitzer
     Dr. Johann Oberhuber, Advokat
     Josef Friedl, Uhrmacher
     Ferdinand Gruber, Kaufmann
     Mathias Koch, Staatsanwalt
     Engelbert Wetzelsberger, Kaufmann
     Josef Gyri, Apotheker 

Dr. Josef Brader Pfarrer von 1871-1875

   Die Anhänger "des alten katholischen Glaubens" wurden eingeladen, sich mit ihrer Unterschrift als Mitglieder der altkatholischen Kirchengemeinde zu bekennen. 273 Personen unterzeichneten, wozu noch die Frauen und Kinder zu rechnen sind.
   Der Diözesanschematismus besagt, dass die altkatholische Gemeinde damals mehr als 14 Prozent der Bevölkerung ausgemacht hat. Am 19. November 1871 gab das wiederholt erwähnte Aktionskomitee bekannt, dass sich in Ried bald ein "Glaubenstreuer" Priester niederlassen würde. Am 14. Dezember d.J. fand eine Großversammlung im städtischen Theatergebäude statt, bei der der bisherige Kooperator von Taufkirchen i. Innkreis, Dr. Josef Brader, zum provisorischen Pfarrer bestellt wurde. Bereits am 10. Dezember d.J. hatte der Bischof ein Schreiben an das Stadtpfarramt Ried gerichtet, in welchem für den 14. Dezember u.a. ein Zehn- oder doch mehrstündiges Gebet in der Stadtpfarrkirche angeordnet wurde, wobei auch Stellen aus dem Hirtenbrief vom 2. Februar 1871 vorgelesen werden sollten. Die geplante Versammlung der Altkatholiken, die keine gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaft seien, möge dem Bezirkshauptmann angezeigt werden. Obwohl das Stadtpfarramt diesem Wunsch nachkam, fand die Großversammlung vor etwa 500 Teilnehmer statt. Unter anderem sprach auch der Münchner Theologieprofessor Dr. Johann Friedrich, er sprach über die Vorgänge beim Konzil und über das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes, Dr. Zirngibl, über Papismus, Jesuitismus und Ultramontanismus. Kirchhammer hielt die Schlussrede. Gleichzeitig fand in der Stadtpfarrkirche vor ausgesetztem Allerheiligsten ein mehrstündiges Gebet "zur Erhaltung des wahren katholischen Glaubens" statt.
   In einer weiteren Versammlung vom 21. Dezember wurde Dr. Brader als Pfarrer den Rieder Altkatholiken vorgestellt. Dieser erklärte bei der Gelegenheit, er werde bis zur Überlassung einer Kirche von seiner Wohnung aus Seelsorge üben.
   Am 25. Dezember 1871, am Weihnachtsfest, hielt Dr. Brader in seiner Wohnung (im Fagerer-Haus von Baumeister Ludwig Gyri zur Verfugung gestellt) den ersten altkatholischen Gottesdienst in Ried. Ein Gesuch an die Regierung vom 2. Jänner 1872, die Stadtpfarrkirche mitbenutzen zu dürfen, wurde dahin beantwortet, dass man sich an das Stadtpfarramt wenden möge. Dieses lehnte natürlich ab. Dagegen wurde eine Bitte an die Stadtgemeinde um Überlassung des Theatergebäudes (ehemalige Hl.-Geist-Kirche) als Notkirche am l. Februar 1872 positiv erledigt.
   Das Theater wurde zur Notkirche umgestaltet. Dabei kamen die schönen Bauformen der Hl. Geist-Kirche erneut zum Vorschein. Am 11. Februar 1872 gaben sich die Rieder Altkatholiken ein Gemeinde-Statut, am 3. März 1872 wurde sie wieder geweiht und der erste Gottesdienst in der restaurierten "Notkirche" (Hl. Geist-Kirche) gehalten. Proteste Rudigiers gegen die ab diesem Zeitpunkt stattfindenden täglichen Messen führten zu keinem Erfolg. Am 28. März d.J. fand das erste altkatholische Begräbnis in Ried statt, im April 1872 erhielt die Kirche einen Spitzturm und drei Glocken welche erstmals am 27. April geläutet wurden.
   Vorsitzende des Kirchenvorstandes seit der Staatlichen Anerkennung im Jahre 1877:

     Engelbert Wetzelsberger 1877 - 1884
     Dr. Josef Dorfwirth 1884 - 1892
     Josef Schindler 1892 - 1895
     Andreas Stockhammer 1895 - 1902
     Josef Huber 1902 - 1922
     (Vakanz) 1922 - 1925
     Dr. Bruno Pöschl 1925 - 1931
     Josef Strehle 1931 - 1947
     Wolfgang Vogl 1947 - 1953
     Emil Herzog 1953 - 1959
     Heinrich Preiss 1959 - 1962
     Franz Dim 1962 - 1996
     Franz Ofner 1996 - 2006
     Dr. Erwin Ploberger seit 2006

Hl. Geist Kirche

   Der Gemeindeausschuss beschloss am 14. Juni 1879, die Hl. Geist-Kirche den Altkatholiken zur Abhaltung ihrer Gottesdienste auf 80 Jahre gegen einen jährlichen Mietzins von 120 fl. zu überlassen. Im Jahre 1874 wurde für die Schulkinder ein besonderer altkatholischer Religionsunterricht eingeführt, der im Rathaus erteilt wurde.
   Der erste atkatholische Priester Dr. Josef Brader blieb bis 1875 in Ried. Am Ende des Monates März reiste er als Direktor und Professor einer altkatholischen Lehranstalt nach Olden in die Schweiz.
   Am 4. April 1875 trat der neu gewählte Priester Franz Leithgeb aus Mattersdorf in Ungarn, bisher Priester in Stüssing bei Neulengbach sein Amt an. Er verließ aber bereits am 1. März 1876 wieder Ried. Dr. Josef Brader kehrte aus der Schweiz nach Ried zurück. Von einem tückischen Brustleiden befallen, suchte er im Winter 1877 ein milderes Klima. Er kam am 30. November in Arco, Südtirol, an und nahm in einem Gasthaus Quartier. Hier verschied er in den Armen des Herrn Niederleuthner von Ried am Morgen des l. Dezember.
   Die altkatholische Kirchengemeinde brachte den Leichnam nach Ried, wo er am Stadtfriedhof in der Nähe des alten Haupteinganges sein Grab hat. Ein Gedenkstein aus weißem Marmor bezeichnete die Ruhestätte.
   Als Nachfolger wurde am 12. Dezember 1877 der altkatholische Pfarrer Josef Kürzinger von Wien gewählt und am 27. Mai 1882 legte er sein Amt nieder. Am 23. Juli 1882 wählte der Kirchenrat Josef Lang, ehemaliger Pfarrverweser aus Deutschland, zum Pfarrer in Ried. Er blieb nur kurze Zeit. Am 24. Dezember 1882 kam Franz Ferdinand Wohlmann aus Böhmen als Pfarrer nach Ried. Nach der Wahl zum altkatholischen Pfarrer in Passau wurde 1884 Parta aus Warnsdorf sein Nachfolger. Im April 1886 kam Alois Soukup aus Böhmen nach Ried und nach seinem Abgang nach Badersweiler bei Konstanz nach Ostern 1888 Viktor Erb aus Wien.
   Pfarrer Viktor Erb wirkte in Ried bis zum November 1907.

Es folgten nach:
    
Paul Schmid 1907 - 1908
     Wilhelm Hoßner 1908 - 1910
     Alois Paschek 1910 - 1911
     Robert Tüchler 1911 - 1926
     Oskar Sigmar- Rehm 1926 - 1936
     Hans Krecsi 1936 - 1939
     Josef Spieler 1939 - 1946
     Hans Meyer 1946 - 1949
     Ludwig Paulitschke und Franz Barejska 1949 - 1950
     Alois Rau 1950 - 1958
     Titus Marecek 1958 - 1962
     Leopold Lentschig 1962 - 1995
     Martin Eisenbraun 1995 - 1999
     Mag. Werner Leidenfrost seit 1999.

Christuskirche

   Nach der Sperre der Heiligen Geist-Kirche am 11. August 1892 (wegen angeblicher Baufälligkeit?) ist heute nicht mehr zu entscheiden, ob dies auf klerikalen Einfluss zurückzuführen war, wie später immer wieder vermutet wurde (Festschrift "60 Jahre altkatholische Kirche Ried").  Die Kirche wurde am 11. August 1892 gesperrt und bald darauf niedergerissen. Die altkatholischen Gottesdienste wurden eine Zeitlang im ehemaligen Kreisgerichtsgebäude gefeiert. Da aber auch diesem Gebäude der Abbruch drohte, mussten die Altkatholiken Rieds an den Bau einer eigenen Kirche denken.
   In der Bahnhofsstrasse bot sich ein günstiges Grundstück, das gekauft wurde und auf dem man zunächst an einem Holzgerüst die drei Glocken von der Hl. Geist-Kirche aufhängte. Im Frühjahr 1893 wurden die Fundamente der neuen altkatholischen Christuskirche in der Bahnhofstrasse gelegt. Der erste Spatenstich erfolgte am 24. April 1893, am 14. Mai war die Grundsteinlegung und am 10. September erfolgte durch Bistumsverweser Amand Czech aus Wien die Weihe der Kirche, die den Namen "Christuskirche" erhielt. Sie wurde nach den Plänen des Architekten und Stadtbaumeisters Josef Prokopp in Wien und von Bau- und Zimmermeister Josef Furthner in Ried gebaut.
   Einrichtungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts stammen aus der Hand des Tischlers Karl Vitale. Die Holzreliefs, welche in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts geschaffen wurden, entstammen der Hand des Salzburger Bildhauers, Prof. Bernhard Prähauser. 2003 erhielt die Christuskirche eine Walcker - Mayer Orgel. Die Kirche hat einen Fassungsraum von ungefähr 200 Personen und im Kirchturm, der als sogenannter Dachreiter die Kirche überragt, sind drei Glocken angebracht worden.
   Kommen wir nun zum Schluss: fast ein Vierteljahrhundert haben wir die Geschichte unserer Altkatholiken Rieds von Anfang an verfolgt. Uns heutigen vor allem den jungen Glaubensgeschwistern, sind Kämpfe der Art, wie sie unsere Väter und Mütter im Glauben durchstehen mussten, unbekannt. Es ist daher gut, sich der Leiden, aber auch des Mutes und der Glaubensüberzeugung jener Menschen zu erinnern. Wir alle sind religiös toleranter geworden - auf beiden Seiten. Ried ist heute eine Ökumenische aufgeschlossene Stadt.
   Die Geschehnisse von damals sollen daher zugleich auch Mahnung sein, unserer altkatholische Sache treu zu bleiben, aber auch Frieden zu halten, einander anzunehmen und zu respektieren und das gemeinsam zu tun, was gemeinsam zu tun ist.

Die meisten Quellen stammen aus: "Ried im Innkreis und der Altkatholizismus" von Franz Zierler, Linz 1972


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